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Entstehung und Ausbreitung des Patriarchats
Rosenkranz und Runenkranz: Der Dialog mit dem Göttlichen.
Dr. James DeMeo
Entstehung und Ausbreitung des Patriachats - die "Saharasia"-These
Wüstenbildung und Hungersnöte als historischer und geographischer Ursprung emotionaler Panzerung

James DeMeo hat in jahrelangen geographischen Studien Beweismaterial zusammengetragen, die den Zusammenhang zwischen der weltweiten Verwüstung und den daraus resultierenden regionalen Verschiedenheiten menschlichen Verhaltens aufzeigt.
DeMeo untersuchte v.a. traumatische und unterdrückender Haltungen, Verhaltensweisen sozialer Gewohnheiten und Institutionen und stellte fest, daß diese eng mit Gewalt und Krieg in Verbindung stehen. Klinische und kulturvergleichende Beobachtungen der biologischen Bedürfnisse von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen und deren gewaltsame Unterdrückung durch Institutionen oder/und harte Umweltbedingungen zeigten eindeutig, daß die daraus resultierenden Folgen wieder unterdrückendes und zerstörerisches Verhaltensweisen sind. Hier verifiziert er eine kausale Beziehung zwischen traumatischen und repressiven sozialen Institutionen und destruktiver Aggression und Krieg.
Paläoklimatische und archäologische Feldstudien belegen auf der anderen Seite die Existenz einer ehemaligen, auf der ganzen Welt vorhandenen Periode relative friedlicher sozialer Bindungen, in der Krieg, Männerherrschaft und destruktive Aggression fast völlig fehlten. Mit einer abrupten Klimaänderung, die eine fruchtbare und regnerische Phase beendete, verwandelten sich vormals friedliebende, demokratische und matristische Lebensbedingungen, deren Prinzip der Überfluß und die Freiheit war, in gewaltvolle, kriegerische und despotische.

Unterschiedung von matristischer und patristischer Kultur
Ausgehend von den Forschungen Wilhelm Reichs war das Interesse DeMeos, eine globale geographische Analyse sozialer Faktoren in Verbindung zu Kindheitstraumata und Sexualunterdrückung zu erstellen. Nach Reich ist - im Gegensatz zu Freuds Theorien - destruktive Aggression und sadistische Gewalt des Menschen ein völlig unnatürlicher Zustand, der aus traumatischen Unterdrückungen und Hemmungen der Atmung, des emotionellen Ausdrucks und der lustorientieren Impluse herrührt. Diese Blockaden setzen sich durch soziale Institutionen und schmerzvolle, lustfeindliche Rituale fest. Zu finden sind diese Praktiken sowohl bei sogenannten "primitiven", als auch bei "zivilisierten" Gesellschaften. Als Beispiele werden von DeMeo angeführt: "unbewußtes und rationalisiertes Zufügen von Schmerz an neugeborenen Säuglingen und an Kindern…; Trennung und Isolation des Kindes von seiner Mutter; Gleichgültigkeit gegenüber weinenden und aufgeregten Kindern; ständige Immoblilisierung durch Eingewickeltsein; Verweigerung der Brust oder verfrühte Entwöhnung des Kindes; Beschneidung von kindlichen Körperteilen, gewöhnlich der Genitalien; traumatische Reinlichkeitserziehung sowie die durch körperliche Strafen und Drohungen erzwungene Forderung, ruhig, gehorsam und nicht neugierig zu sein" (emotion, S. 109).
Institutionen, die die Sexualität kontrollieren oder zerstören wollen, sind z.B. das weibliche Jungfräulichkeitstabu und erzwungene oder festgelegte Heiraten, die in Kulturen auftreten, die einen patriachlen Gott verehren.
Nachweisbar sind die neurotischen, psychotischen, selbstzerstörerischen und sadistischen Komponenten menschlichen Verhaltens Folgen von schmerzvollen und unterdrückenden sozialen Institutionen.
Sexualökonomisch beleuchtet spielt sich folgendes ab: die erfahrenen schmerzhaften Traumata verankern sich im Körper des Heranwachsenden als chronischer charakterlicher und muskulärer Panzer, d.h. die biophysikalischen Prozesse, die sich als vollständige Atmung, emotioneller Ausdruck und sexuelle Entladung während des Orgasmus zeigen, werden durch diesen Panzer blockiert und lassen diese bioenergetischen Spannungen aufstauen. Nach Reich bewirkt diese aufgestauten, innerlichen Spannungen eine sadistische, unbewußte und selbstzerstörerische Verhaltensweise des Körpers. Es sind also primäre menschliche Bedürfnisse, die hier unterdrückt und gehemmt werden und diese Folgen nach sich ziehen.
Interessanterweise gab es bis in die jüngste Vergangenheit tatsächlich Kulturen, die gewaltfrei, demokratisch und friedvoll - mit stabilen monogamen Familienbindungen - lebten. Reich konnte anhand der Bedingungen der Trobriandergesellschaft die Richtigkeit seiner klinischen und sozialen Entdeckungen beweisen und somit Freud mit der Behauptung der kulturübergreifenden Natur der kindlichen Latenzperiode und des Ödipuskomplex widerlegen.
Kulturvergleichende Forschungen haben gezeigt, daß Gesellschaften, die Säuglinge und Kinder Traumata und Schmerz zufügen und emotioneller und sexueller Ausdruck unterdrückt wird, neutrotische, gewaltvolle und selbstzerstörerische Verhaltensweisen hervorbringen. In Gesellschaften, in denen Kinder und Säuglinge nicht traumatisiert oder sexuelle Regungen unterdrückt werden, die liebevolle und körperliche Zuwendung erfahren, sind ausnahmslos psychisch gesund und gewaltlos.
Taylor (1953) hat ein Schema entwickelt, indem er unterdrückende und tabuisierende Gesellschaften, die er patristisch nennt, den Gesellschaften gegenüberstellt, deren soziale Institutionen die liebevollen Bindungen Mutter - Kind und Frau - Mann beschützen und fördern (matristisch).

Merkmal patristisch (gepanzert) matristisch (ungepanzert)
Säuglinge, Kinder und Jugendliche weniger Nachsicht, wenig körperliche Zärtlichkeit, traumatisierte Säuglinge, schmerzvolle Initiationsriten, Beherrschung durch die Familie, geschlechtsgetrennte Häuser oder Militär mehr Nachsicht, mehr körperliche Zärtlichkeit, nicht traumatisierte Säuglinge, Fehlen von schmerzhaften Initiationsriten, Kinderdemokratien, Kinderhäuser oder Jugenddörfer ohne Geschlechtertrennung
Sexualität einschränkende Einstellung, genitale verstümmelung, weibliches Jungfräulichkeitstabu, Liebe unter Jugendlichen strikt eingeschränkt, homosexuelle Strebungen, Inzeststrebung plus strenges Tabu, Konkubinat/Prostitution können existieren gestattete und unterstütze Einstellung, keine Genitalverstümmelung, kein weibliches Jungfräulichkeitstabu, Liebe unter Jugendlichen uneingeschränkt und akzeptiert, Fehlen homosexueller Strebungen oder strenger Tabus, Fehlen starker Inzeststrebungen oder strenger Tabus, Fehlen von Konkubinat/Prostitution
Frauen eingeschränkte Freiheit, minderwertiger Status (untergeordnet), vaginales Bluttabu (Entjungferungsblut, Menstruations- und Geburtsblut), keine eigene Wahl des Lebensgefährten, keine Scheidung nach eigenem Willen, Männer kontrollieren die Fruchtbarkeit mehr Freiheit, gleichwertiger Status, kein vaginales Tabublut, eigene Wahl des Lebensgefährten, Scheidung nach eigenem Willen, Frauen kontrollieren die Fruchtbarkeit
Kultur und Familienstruktur autoritär, hierarchisch, partilinear, patrilokal, lebenslange Zwangsmonogamie, häufig polygam, militärische Gesellschaftstruktur, gewalttätig/sadistisch demokratisch, gleichberechtigt, matrilinear, matrilokal, keine Zwangsmonogamie, selten polygam, kein hauptberufliches (ständiges) Militär, gewaltlos
Religion, Glauben, und Geisteshaltung Mann/Vater-orientiert, Askese, Vermeidung von Lust, Hemmung, Angst vor Natur, hauptberufliche Priester, männliche Schamanen, strenge Verhaltensregeln Frau/Mutter-orientiert, Lust ist erwünscht und institutionalisiert, Spontaneität, Naturverehrung, keine hauptberuflichen Priester, männliche oder weibliche Schamanen, keine strengen Verhaltensregeln
Tabelle 1, übernommen aus: emotion Nr. 10, S. 111

DeMeo führt an, daß ein Zusammenhang zwischen patristischen Kulturen, die an Säuglingen und Kindern schmerzvolle und lusteinschränkende Riten vollzogen und einer hohen Sterblichkeit von Säulingen und Müttern besteht. Diese Gesellschaften wiesen schwere psychopathologische Unruhen auf, die sich gegenüber Frauen und Kindern (Ritualmorde von Kindern, Witwen, Hexen, Prostituierten, usw.), gesellschaftlich akzeptiert und unterstützt, entluden. Ein weiteres Merkmal war, daß diese Kulturen aggressive, sadistische und kiegerische Götter verehrten.

Warum konnten patristische Gesellschaften matristische verdrängen?
Wie oben erwähnt konnte DeMeo anhand archäologischer und paläoklimatischer Studien beweisen, daß vor ca. 6000 Jahren die Erde von hauptsächlich matristischen Kulturen bevölkert wurde. Die Auswertung globaler anthropologischer und archäologischer Daten weisen auf einen Übergang von friedlichen und sozialen Verhältnissen zu gewaltsamen, Männer-dominierten, kriegerischen Verhältnissen. Wie konnte sich dieser Zustand ändern, wenn doch matristische Gesellschaften von der natürlichen Auslese begünstigt werden müßten, da ihre Prinzipien die naturgemäßen, angeborenen sind, die das Leben (in Form der familiären Bindungen) fördern und unterstützen? DeMeo konnte aufgrund seiner Daten verschiedene globale Muster in diesen archäologischen Übergängen ausmachen, die auf die Ursache des Wechsels von Matrismus zu Partismus hinweisen.
Interessant war die Feststellung, daß die frühsten dieser kulturellen Übergänge einhergingen mit grundlegenden klimatischen Veränderungen. Dies geschah in spezifischen Regionen der Alten Welt, Nordafrika, Naher Osten und Zentralasien; diese relativ feuchten Gebiete wurden trocken.
Die Ausweitung dieser kulturellen Veränderung, also die späteren Übergänge, geschah in den angrenzenden Gebieten durch Verlassen der neuen Dürrezonen und somit Einfall in die feuchtern Gebiete. In der Geschichtsschreibung ist dieser Vorgang als Völkerwanderung (die indogermanische von Zentralasien ausgehend nach ganz Europa ausdehnend) bekannt. Der Zusammenfall der Umwelt- und Kulturveränderung war ein weiteres Beweisstück, daß Dürre und Wüstenbildungen in der Lange sind, die Bindungen zwischen Mutter und Kind sowie zwischen Frau und Mann in traumatischer Weise zu zerstören.

Soziale Folgen von Dürre Verwüstung und Hungersnot
Augenzeugenberichte der jüngsten Vergangenheit über kulturelle Veränderungen während Hungersnot und Unterernährung beweisen weiterhin, daß dies die Ursache des Hineindrängens früherer matristischer Gesellschaften in den Patrismus ist. Gemeint sind hier die Berichte über den Zusammenbruch der sozialen Familienbindungen der Ik-Völker in Ostafrika. Auf der Suche nach Nahrung verlassen Väter ihre Familien und kehren oft nicht zurück. Kinder und Frauen müssen so alleine ums Überleben kämpfen; Kinder schließen sich zu Banden zusammen, die Nahrung stehlen. Am längsten hält noch die Bindung zwischen Mutter und Kind, wobei nach einer gewissen Zeit auch die verhungernde Mutter ihr Kind verlassen wird.
Klinische Untersuchungen haben ergeben, daß Nahrungsmangel und Hunger in der frühsten Kindheit neben physiologischen Schäden auch irreparable psychische Folgeschäden verursachen. Säuglinge werden durch Hunger und Unterernährung in gleicher emotioneller Weise beeinflußt, wie sie unter den Bedingungen einer Isolation und Deprivation von der Mutter auftreten. Diese Folgen prägen lebenslang die Einstellung und Verhaltensweisen gegenüber Erwachsenen, Lebensgefährten und Nachkommen.

Soziale Institution der Körperdeformationen als Verhaltensfolge von Dürre und Hungersnot
Im Zusammenhang mit Dürre- und Wüstenbildung sind Körperdeformationen bei Säuglingen und Kindern erkannt worden. Hier werden Säuglinge doppelt traumatisiert: durch Hitze und Hunger und durch immobilisierendem, kopfverformenden Tragegestell, wie es die wandernden Völker in Zentralasien verwendet hatten. Diese Schädeldeformationen und Festeinwickeln der Kinder wurde, wie archäologische Funde bestätigten, feste, institutionalisierte Tradition der Kindererziehung in den Wüstengebieten Zentralasiens. Diese Tradition blieb auch noch bestehen, nachdem diese Völker seßhaft wurden. Hier zeigt sich Reichs Theorie bestätigt: Erfahrene Traumatisierungen (Hunger), die sich als Charakterpanzer festsetzen, zieht eine unbewußt sadistische und selbstzerstörerische Verhaltensweise nach sich, die zur gesellschaftlichen Institution wird (Körperdeformationen).
Interessanterweise konnte man auch feststellen, daß Beschneidung und Infibulation bei Männern und Frauen aus noch nicht bekannten Gründen ihren Ursprung und geographischen Schwerpunkt im großen Wüstengürtel der Alten Welt hatte. Nach DeMeo Sind also Dürre, Wüstenbildung und Hunger Ursache der Zerstörung und Zerrüttung von familären, liebevollen Bindungen. Diese Zerrüttung wird auf die Nachkommen übertragen; nach wenigen Generationen entwickeln sich zunehmend partistische Haltungen, die sich in traumatisierenden Körperdeformationen bei Säuglingen und Genitalverstümmelungen niederschlagen. Die älteren, matristischen Institutionen werden allmählich ersetzt.
Diese Verhaltensstrukturen setzten sich als Charakterpanzer fest, egal, ob sich die Umweltbedingungen oder die Nahrungsversorgung wieder ändern.

Geographische Zusammenhänge von Wüstenbildung und Ausbreitung des Patriachats
Weltweite Verteilung von Trockenheit
Abb.1: Weltweite Verteilung von Trockenheit, aus: emotion Nr. 10, S. 117
Vergleiche und systematische globale Analysen, die von 1170 verschiedenen Kulturen abgeleitet wurden, ergaben, daß die meisten extrem patristischen Völker in Wüstengebieten lebten, obwohl dies nicht ausschließlich der Fall war. Feuchtere, an Wüstengebieten angrenzende Gebiete, wiesen ebenso patristischen Charakter auf, was durch die Wanderung der Völker erklärt wurde (s. Abb. 1).
weltkarte des Verhaltens
Abb.2: Weltkarte des Verhaltens, aus: emotion Nr. 10, S. 117
Patrismus tritt, wie die Karte des weltweiten Verhaltens (Abb. 2) zeigt, weder überall noch zufällig auf. Das Kerngebiet ist Alte Welt - die Kulturen Ozeaniens und der Neuen Welt waren weit weniger patristischer. Der extremste Patrismus ist hier in einem zusammenhängenden Verband anzutreffen, ausgehend von Nordafrika über Nahen (Mittleren) Osten bis nach Zentralasien. Genau in diesem geographische Raum sind heute die extremsten und ausgedehntesten Wüstengebiete der Erde zu finden.
DeMeo bezeichnet also diesen Raum mit den extremen klimatischen und kulturellen Bedingungen "Saharasia" (=Sahara/Arabian/Asia).

Geographische Zusammenhänge von Geschichte und Archäologie
Auswertungen von archäologischen und paläoklimatische Daten ergaben, daß Saharasia 4000 v.Chr. eine zum Teil bewaldete Graslandsavanne war. Die heute ausgetrockneten Becken waren mit Wasser gefüllt, das zwischen zehn und hundert Metern tief war. Es existierte eine vielfältige Tierwelt: Elefanten, Giraffen, Nashörner, Gazellen lebten im Hochland, Nilpferde, Krokodile, Fische, Schlangen in den Flüssen und Seen. Diese Gegend ist heute sehr trocken und oft ohne jede Vegetation.
Wie die Völker in diesem Raum lebten, darüber geben archäologische Funde, wie z.B. Geräte und Höhlenmalereien, aufschluß. Eines steht jedenfalls fest: "Der Charakter dieser frühen Völker war friedvoll, ungepanzert und matristisch" (emotion Nr. 10, S. 122).
Steinzeitfrau
Steinzeitfrau, die ihr Kind still. Nordafrikanische Höhlenmalerei ca. 4000 v.Chr., aus: emotion Nr. 10, S. 107
Hier findet man behutsames Begraben der Toten, weibliche Götterstatuen, Darstellung von bevorzugt Frauen, Kindern, Musik, Tanz und Tieren. Es gibt aus dieser Zeit keine archäologischen Belege für Kriege, Chaos und Brutalität, die allerdings in jüngeren Schichten auftreten, nachdem die Trockenheit eingetreten war.
Bronzezeitkrieger
Bronzezeitkrieger aus Nordafrika, ca. 3000 v.Chr., aus: emotion Nr.10, S. 107
Bei diesen Funden handelt es sich um Kriegswaffen, zerstörte Siedlungen, militärische Befestigungen, Tempel, Deformierung der Schädel von Säuglingen, Grabmale, die männlichen Herrschern gewidmet waren. Weiterhin die rituelle Ermordung von Frauen und Kindern, strenge, soziale Hierachie, Skaverei, Polygamie und Konkubinat. Malereien, die Frauen und Kinder im Alltagsleben darstellen verschwinden und werden durch kriegerische Darstellungen wie Streitwagen, Schlachten, Krieger und Pferde, ersetzt. Weibliche Götterdarstellungen verlieren ihren erotischen, mütterlichen Charakter, werden grimmig dargestellt oder durch männliche Götter ersetzt.
Hier sieht man deutlich die Bestätigung der Theorie, daß Wüstenbildung und Hungersnöte das matristische soziale Gefüge zerstören und Partismus fördern.
Entstehung und Ausbreitung des Patrismus
An den Ruinen früher friedlich lebender Siedlungen kann man ab 4000 v. Chr. extreme soziale Veränderungen und Zerstörung ausmachen. Trockenheit und die daraus resultierende Landflucht zeichnen sich immer deutlicher ab. In Zentralasien verlagern sich die Siedlungen in die Ebenen und Flußbetten, was Niedergänge von großen Gesellschaftskulturen bedeutete; Siedlungen am Nil und Euphrat/Tigris, auch in Levantinien, Anatolien und Iran wurden von Völkern aus Zentralasien und Arabien überfallen.
Die alten gesellschaftlichen Strukturen wurden von despotischen Zentralstaaten abgelöst, es etablierten sich zentralistische Religionen mit Priesterkasten mit männlichen Göttern (Tempelbauten und Grabstätten, Witwen- und Muttermorde, Schädeldeformationen, zentrale Bedeutung von Pferden und Kamelen). Festungsbauten weisen auf den kriegerischen Charakter dieser Völker hin.
Diese neuen Staaten gewannen durch ihr kriegerisches Auftreten an Macht. Dies ist der Grund - und natürlich auch der Mangel an fruchtbarem Land - weshalb sie sich weiter ausdehnten und in die angrenzenden feuchteren Gebiete einfielen. Patrismus läßt sich zeitlich später in diesen angrenzenden Gebieten feststellen als im Kernland Saharasia.
Die Auswanderung aus dem Kernland in die angrenzenden Gebiete nahm in dem Maße der zunehmenden Trockenheit zu. Die Etablierung des Partismus in diesen Gebieten geschah also nicht durch Trockenheit und Hunger, sondern durch Vernichtung der ursprünglichen matristischen Bevölkerung bzw. durch Oktruierung patristischer Verhaltensweisen und sozialen Institutionen.
Europa als Beispiel für ein angrenzendes Gebiet an Saharasia
Ein Beispiel bietet die indogermanische Völkerwanderung von Zentralasien nach Europa. In Europa herrschten bis 4000 v. Chr., wie archäologische Funde belegen, matriachiale Gesellschaftsstrukturen. Ab dieser Zeit wurde Europa nacheinander von Streitaxtkulturen, Kurgen, Skythen, Sarmantiern, Hunnen, Arabern, Mongolen und Türken überfallen, die das Gesamtbild Europas im Laufe der Zeit durch Eroberung und Plünderung immer weiter patristischer färbten. Die weiter von Zentralasien entfernten Gebiete Europas, wie z.B. England und Skandinavien, übernahmen erst viel später patristische Verhaltensweise und diese auch in abgeschwächter Form. Man kann dies auch noch heute nachvollziehen, wenn man diese Länder mit Osteuropa und den Mittelmeerländern vergleicht.
Dieses Schema kann man auch bei den anderen Ländern der Erde erkennen. Je weiter ein Land von der Kernzone entfernt war - und wenn diese Länder auch fruchtbar und feucht waren -, desto länger hat es gedauert, bis der Patrismus sich etabiert hatte. Zu nennen wären hier noch Kreta, Südostasien, Japan, das südliche Afrika, asiatische Inseln und Ozeanien.
Weltkarte Ausbreitung Patrismus
Abb.3: Verallgemeinerte Wege der Ausbreitung des patristischen Saharasia-Kultur-Komplexes in die Alte Welt, aus: emotion Nr. 10, S. 128
Abbildung 3 zeigt, in welcher Form sich der Patrismus in er Alten Welt verbreitete.
Ausbreitung in die Neue Welt
Abb.4: Vermutete Muster der weltweiten Ausbreitung des Patrismus, aus: emotion Nr. 10, S. 128
Abbildung 4 zeigt die Verbreitung nach Ozeanien und der Neuen Welt, natürlich vorausgesetzt, daß eine vorkolumbianische Beziehung zu ozeanbefahrenen patristischen Staaten der Alten Welt existierte.

Schlußüberlegungen
Die wissenschaftlichen Untersuchungen und Studien von DeMeo haben somit die sexualökonomische Theorie menschlichen Verhaltens, das Martismus/Patrismus-Schema und den Zusammenhang von Wüstenbildung und Patrismus bestätigt. Die lustorientierten Aspekte des sozialen Lebens ermöglichen das Überleben und die Gesundheit eines Kindes, den sozialen Zusammenhalt und somit die Gesundheit und das Fortbestehen einer Gesellschaft. Sicher ist weiterhin, daß es eine Zeit gab, in der friedvolle Völker, die kinder- und frauenfreundlich waren, die Erde bevölkerten. Dies beweisen die oben angeführten Studien. Bis in die jüngste Vergangenheit gab es noch solche Gesellschaften, wie in dem Buch "Saharasia" von James DeMeo ausgeführt und verwiesen wird.
Patristische Kulturen sind in keiner Weise, wie leider oft fälschlicherweise angenommen wird, die naturgemäßen ("survival of the fittes"). Wie oben auf- und ausgeführt wurde, ist das matriachale Prinzip das naturgemäßere und somit dem Leben zuträglichere. Man darf natürlich das Matriachat nicht gleichsetzen mit dem real existierenden Patriachat - nur mit Frauenherrschaft. Matriachat bedeutet, daß das Prinzip des "Lassen" (=Freiheit) - anstatt dem "Druckprinzip" - Vorrang eingeräumt wird. Dadurch entsteht, wie man annehmen möchte, kein "Chaos", sondern die Freiheit ermöglichst freie Entfaltung des Menschen in jeglichen Bereichen - individuell und sozial. Dadurch sind die Menschen - und somit die jeweilige Kultur - glücklicher, zufriedener und gesünder. Das dieses Prinzip funktioniert, beweist - neben den oben angeführten archäologischen Funden - die bis Anfang dieses Jahrhundert lebenden Gesellschaft der Trobriander und Muria (vgl. "Saharasia").


 
zusammengefaßt von Heike Görner
 
 
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